Tuesday, 27. march 2012 2 27 /03 /März /2012 20:53

oder warum Quoten den Druck auf die vermeintlich geförderten erhöht, ohne die Bedingungen zu verbessern.

Ich bin unter allen Aspekten (Sozialisierung, Chromosomen, Gefühle usw. ) eine Frau.

Und ich finde das sehr schön.

Ich habe einen Schuhtick und lebe ihn hemmungslos aus. Auch glaube ich nicht, dass ich mich als Mann tarnen muss, um emanzipiert zu sein.

Ich habe auch bisher fast alles erreicht, was ich wollte, und wenn ich es nicht erreicht habe, dann lag es nicht daran, dass ich eine Frau bin, sondern daran, dass ich ganz banal gescheitert bin.

So viel also zu mir.

 

Das alleine erklärt natürlich nicht, warum ich nicht nur kein Freund sondern sogar ein dedizierter Feind von Quoten bin. Quoten erzeugen einen Erfolgsdruck bei der vermeintlich geförderten Bevölkerungsgruppe ohne gleichzeitig die Rahmenbedingungen zu verbessern.

 

Nehmen wir zum Beispiel die viel beschworene Frauenquote in Führungspositionen.

Durch die Einführung dieser Quote werden die Frauen unter Druck gesetzt, denn sie "können es ja schaffen" (unterschwellig: wenn sie es nur wollen, wer es also nicht schafft, ist faul/nicht ehrgeizig genug/schlecht...). Dabei werden die Rahmenbedingungen völlig außen vor gelassen. Denn durch die Quote verbessert sich nichts an diesen Rahmenbedingungen, die eigentlich dafür verantwortlich sind, dass Frauen nicht so leicht befördert werden.

Das liegt nämlich nicht daran, dass Männer unter sich in der Führungsetage bleiben wollen (oder nur in den seltensten Fällen) sondern daran, dass Frauen in vielen Fällen Mütter sind. Mütter arbeiten, wegen der desolaten Betreuungslage und dem sozialen Druck in ihrem Umfeld , öfter in Teilzeit, und Teilzeitkräften wird die Belastung einer Führungsstelle nur selten zugetraut.

 

Solange also eine Mutter, die arbeiten muss oder möchte noch immer von Ihrem Umfeld als Rabenmutter bezeichnet wird, solange es die Diskussionen gibt unter dem Tenor 'Wozu schaffe ich mir dann Kinder an' als wäre die Mutter als Heimchen am Herd noch immer das Mass aller Dinge, solange Ganztagsbereuungsangebote entweder unerschwinglich teuer oder unglaublich schlecht sind, solange der politische Wille spürbar ist, die Arbeitslosenstatistiken durch das heraushalten von Müttern zu frisiern, So lange wird sich an der Situation der Frauen in der Arbeitswelt nicht ändern.

Die die Karriere machen werden in den allermeisten Fällen Kinder oder Rücksichtslose Damen sein, die dann wieder ein sehr unangenehmes Bild der Frau in Führungspositionen abgeben.

 

Ohne ein Umdenken in unserem Umfeld bringt auch die schönste Quote nichts.

von dans-la-vie-d-emmanuelle - veröffentlicht in: Persönliches
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Tuesday, 27. march 2012 2 27 /03 /März /2012 20:39

Das, was ich jetzt schreibe, muss absolut vertraulich bleiben. Denn wenn das raus kommt, dann könnte es ja sein, dass einige Floskeln sich als Unsinn raus stellen...


Als erstes kommt der absolute Knaller: im Internet wird nicht gewählt.

 

Ehrlich, wenn man heute die Zeitung aufmacht und dort steht, dass die Piraten ihre Wähler im Netz zusammenkratzen, dann könnte man doch glauben, dass ein Click auf 'Gefällt mir' reicht, um eine Partei in den Landtag zu bringen. Ich sollte es zwar nicht verraten, aber es ist nicht so. Um eine Partei in den Landtag zu bringen muss man tatsächlich an einem Sonntag aus dem Haus gehen, vorher die Wahlbenachrichtigung wiederfinden und sich in die nächstgelegene Schule/Sparkasse/wasauchimmer bewegen um dort brav darauf zu warten, dass man sein Kreuz (mit einem echten Stift) auf Totem Holz machen darf.

Das bedarf einer gewissen Motivation. und die bringt bei Leibe nicht jeder auf. Piratenwähler schon. Viele von ihnen zum ersten Mal seit langer Zeit. Die Saarländer Piraten haben sich Ihre Wähler nicht illegal aus dem Netz downgeloaded, sie haben sie überzeugt.

Sie haben gezeigt, dass es kein sogenanntes Vollprogramm braucht, um Inhalte zu haben. Sie haben gezeigt, dass die Vorgehensweise interessanter ist, als 800 Seite Detailinhalte, an die sich die Führungsriege nicht hält, teils aus 'Parlamentarischen Zwängen' heraus, teils, weil sie sie selber nicht kennen.

Das, was wichtig ist, ist die Metaebene. Das klingt abgehoben, ist aber tatsächlich das Rezept des Erfolges. Wir haben gegebenenfalls nicht zu allen Themen einen Programmpunkt, aber die meisten Themen lassen sich aus den Piratigen Grundsatzansichten hervorragend ableiten. Nehmen wir 'Rentenpolitik' Wir haben hier Ansätze, aber sicher noch keine Umfangreichen Lösungen. Allerdings haben wir RESET, in Bayern die Negative Einkommenssteuer nach Milton Freeman und allgemein die gesellschaftliche Teilhabe. Das sind Themen, die sich auch auf die Renten umlegen lassen.

Das gleiche gilt für vordergründig 'Unpiratige' Themen wie Straßenbau oder ähnliches. Wir haben sicher keine Positionspapier zum neuen Kreisverkehr in Hintertupfing, aber anhand der vorhandenen Punkte kann man hier eine Position extrapolieren. Wir fordern Transparenz bei den Ausschreibungen, Offenlegung der öffentlichen Verträge und Bürgerbeteiligung. Je nachdem wie die Entscheidung zu diesem Kreisverkehr nur getroffen wurde, (also nachvollziehbar, transparent, unter Einbeziehung der Bürger oder eben nicht) haben wir entsprechend eine Position dazu, ohne gleich einen Parteitagsbeschluss treffen zu müssen.

 

Hier könnte ich noch stundenlang weitertippseln, aber ich gehe davon aus, dass klar ist, worauf ich hinaus will. Wenn die meisten Medien noch immer darauf beharren, dass wir kein Programm haben, dann nur, weil ihnen noch keiner gesagt hat, dass wir das auch gar nicht vor haben. Die Vorgehensweise ist dem Anschein nach so revoluionär, dass es vielen noch nicht klar ist, dass das reicht.

Es kommt mir vor, als würden wir Kuchen anbieten, und trotzdem wollen alle Brot...

von dans-la-vie-d-emmanuelle - veröffentlicht in: Piratiges
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Monday, 26. december 2011 1 26 /12 /Dez. /2011 16:41

was einem an Herz gewachsen ist zu verlassen, um neues zu entdecken ist ein schwerer Schritt.

Mitunter muss er radikal sein.

 

Ich habe mich also dazu entschieden, mich von einer guten alten Freundin zu trennen.

 

Wir haben uns 1990 kennengelernt. Meine Deutschlehrerin (Ich hatte Deutsch als Fremdsprache) hat uns zusammengebracht, weil sie meinte, dass ich einiges von ihr lernen könnte. Das war absolut richtig, meine Welt war damals doch sehr konservativ, was sicher auch an der Garnisonsschule lag, die ich bis zu Abitur besucht habe.

 

Wir waren damals im gleichen Alter, sie war viel reifer als ich. Sie hat mir beigebracht, dass es nicht notwendig ist, nett und hübsch zu sein, um weiter zu kommen, und dass Erwartungen zu erfüllen eine Form von selbst Aufgabe ist.

Sie hat mir beigebracht, dass man als Frau durchaus gut in Mathe sein darf, und dass man dadurch nicht zum Mann wird. Sie hat mir gezeigt, dass ich selber über mich und mein Leben entscheiden kann, und nicht auf Teufel komm raus irgendwem gefallen muss. Sie hat mir dir Sicherheit gegeben, dass ich als Mensch in dieser Gesellschaft ganz einfach ich selbst sein kann. Und nicht so tun muss, als sei ich niedlich.

 

Wir sind immer im Kontakt geblieben, auch dann, als ich in Frankreich studiert habe, und es wirklich ein schwerer Schnitt in meinem Budget war, diesen Kontakt aufrecht zu erhalten. Das war es mir wert. Es war nicht immer leicht, zu ihr zu stehen, schließlich galt sie schon immer als extrem, jedoch waren ihre Impulse mir immer wichtig.

 

Und jetzt?

Nun, die schleichende Entfremdung fing 2009 an. Die Piraten fingen an, eine Rolle in der Politischen Landschaft zu spielen, und sie hat sie als Kinderpornopartei diffamiert. Ich war noch kein Pirat, aber diese Parallele hat mich damals schon sehr gestört, da ich sie nicht gesehen habe.

 

Dann wurde es immer schlimmer: sie hat angefangen mir zu erklären, wie ich den Rechner meines Mannes nach Spuren von Pornonutzung durchsuchen kann.  Da wurde mir schlagartig klar, dass wir uns sehr auseinander-entwickelt hatten. Die Privatsphäre, die ich vom Staat verlange, respektiere ich selbstverständlich auch in den eigenen vier Wänden. Ich werde sicher nicht damit anfangen, Computer nach irgendwelchen Bildchen zu durchsuchen weil 'Männer, die Pornos schauen sich auch Bilder auf den Computer laden'...

 

Im Sommer 2010 fing sie an, über mich zu schreiben. Also über Frauen im Netz im allgemeinen, und beschrieb Situationen, die ich nicht kenne, die mir völlig Fremd waren. Ich habe mich sehr gewundert. In welcher Welt lebt sie?

Dem Anschein nach nicht mehr in meiner.

 

Ende 2011 hat sie dann erklärt, dass es mich nicht gibt.

Und das nach 20 Jahren.

 

Damit war die Trennung eigentlich schon beschlossen. Ich weiß nur noch nicht, ob sie mich verlassen hat, oder ich sie. 

 

Ich glaube noch immer, dass es keine Kluft zwischen Männern und Frauen gibt, sondern nur ein Streben nach Macht, welches bei manchen Menschen ausgeprägter ist, als bei anderen.

 

Ich bin der Meinung, dass der klassische Feminismus viel zu kurz greift, weil er übersieht, dass es neben Männern und Frauen eine Vielzahl von Schattierungen gibt, die weder ganz das eine noch ganz das andere sind.

 

Ich danke unseren Müttern, dass sie diese Schlacht geschlagen haben, und ich gestehe Ihnen zu, dass sie gewonnen haben. Jetzt müssen wir es leben, und unsere Töchter nicht in einer Welt aus Hello Kitty und Barbie einsperren, und damit alles wieder aufs Spiel setzen.

 

Das ist ein schwerer Schnitt in meinem Leben. Ich fühle mich heimatlos und bin unglaublich wütend auf die, die mich gezwungen hat, sie zu verlassen.

 

Es ist das Ende einer großen Liebe. Ich sehe kein Versöhnungspotential mehr.

 

Zwischen der EMMA und mir ist es vorbei, und es gibt kein Zurück.

 

Sie ist zwischen den Bergen von Geschenkpapier in der Altpapiertonne verschwunden und ich möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben.  Eine radikalere Lösung habe ich nicht gefunden, aber ich habe sie gesucht!

 

Ich möchte nicht mehr, dass mir erklärt wird, dass das Internet der Quell allen Übels ist, und dass die Schwulenbewegung, wegen der zur Schau gestellten Sexualität, Frauenfeindlich ist. Und ich möchte nicht, dass Feminismus als Kampf der Frauen gegen den Rest der Welt gelebt wird, denn nur wo alle Menschen gleich behandelt werden, können auch Frauen glücklich sein. Nur da, wo das Geschlecht keine Rolle spielt, ist die Freiheit des Individuums zu erreichen.

von Emmanuelle - veröffentlicht in: Persönliches
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Tuesday, 20. december 2011 2 20 /12 /Dez. /2011 22:17

Die EMMA, das Pflichblatt der Emanzipierten Frau, hat sich der Piraten angenommen, und hat sich damit für mich entbehrlich gemacht.

Sie ist nicht in der Gegenwart angekommen und versucht noch immer überholte Schemata in die Gegenwart zu retten....

damit ist sie für mich nicht mehr zu retten.

EMMA's, wacht auf! Die Schlacht unserer Mütter ist geschlagen und, zum Teil, gewonnen. Jetzt wird es Zeit, weiter zu gehen.

Stein des Ansosses ist dieser Artikel.

http://www.emma.de/ressorts/artikel/parteien/piraten-frauen-im-boot-bringen-unglueck/

 Darauf hin habe ich folgenden Leserbrief verfasst.

 

Ahoi ihr Frauen!

Ich bin 38 Jahre alt und arbeite als Controller bei einem großen regionalen Erstversicherer. Ich bin seit März 2011 aktiver Pirat.
Ich bin den Piraten beigetreten, weil ich mitmachen wollte.

 

Und das will ich immer noch.

Das mache ich jetzt seit etwas über einem Monat als Vorstandsvorsitzende des Bezirksverbandes Oberbayern und ich wurde ohne jede Quote oder Gender-Diskussion in dieses Amt gewählt. Es gab bei meiner Wahl viele Argumente gegen mich, und noch mehr für mich. Daß ich eine Frau bin gehörte nicht dazu.

Ich habe mich vor den ca. 100 anwesenden Piraten vorgestellt, und gesagt wofür ich stehe.

Ich stehe für Transparenz, und für die Kommunikation unserer Ziele in der Fläche.

 

Sind das 'Weibliche' oder 'Männliche' Ziele?

 

Wir stehen für gesellschaftliche Teilhabe und Bildung und wollen ein neues Miteinander von Politik und Bürgern erreichen, in dem beide Seiten es wieder lernen, aufeinander zu hören.

Diese Bewegung, und der Gedanke, dass er keine Utopie ist, kommt aus dem Netz. Einem Ort, an dem man 'Deuxcvsix' heißt, und nicht Emmanuelle. Einem Ort, an dem es völlig egal ist, ob das Gegenüber ein Mann oder eine Frau ist (genau weiß man es meist sowieso frühestens, wenn man sich gegenübersteht, wenn das mal passiert). Einem Ort, an dem ich einen Buckel und zwei Nasen haben kann, ohne, dass sich jemand daran stört.

Nicht nur weil 'Digital Natives' an sich toleranter sind, sondern hauptsächlich, weil es in erster Linie um Inhalte geht.

 

Seit dem wir in der Öffentlichkeit stehen wird uns vorgeworfen, dass es so wenig Frauen bei den Piraten gäbe und ich verstehe noch immer nicht, was da das Problem ist. Jede Frau, die sich engagieren möchte, wird mit offenen Armen empfangen. Genauso, wie jeder Mann. Wir haben im Bundes-Vorstand prozentual eine ähnliche Verteilung zwischen Männern und Frauen wie in der Basis. Was ist daran so schlimm?


In anderen Parteien gibt es 52% Frauen und im Landtag kommen nur noch 25% an. Da geht die Hälfte der Frauen im machistischen Machtgerangel unter.

Da ist mir ein menschlicher Umgang der das Geschlecht nicht thematisiert erheblich lieber. Bei vielen Menschen, mit denen ich in der Politischen Arbeit bei den Piraten zu tun habe, habe ich nicht den Hauch einer Ahnung, ob es sich um Männer oder Frauen oder irgendwas dazwischen handelt. Und ganz ehrlich ist es mir auch völlig egal.

Liebe Emma, um es kurz zu machen.
Der Geschlechterkampf ist vorbei. Willkommen in einer Gegenwart in der es, außer vielleicht für die Fortpflanzung und die eigenen sexuellen Vorlieben völlig egal ist, ob der Mensch, mit dem man zu tun hat nun ein oder zwei X bekommen hat.

Mein Name ist Emmanuelle, und ich bin Pirat.

von dans-la-vie-d-emmanuelle - veröffentlicht in: Piratiges
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Wednesday, 16. november 2011 3 16 /11 /Nov. /2011 12:02
Ich weiss, daß es jetzt schon viel zu lange her ist, aber ich habe vorher kein Medium gefunden, um es zu veröffendlichen.
Dieser Protokoll-Post wurde von den Teilnehmerinnen gemeinsam erarbeitet.

Thema war der Versuch einer Ursachenerforschung in Bezug auf die geringe Sichtbarkeit der Frauen bei den Piraten. Die Fragen, denen wir uns gestellt haben, hatte Miriam bereits in ihrem Blogeintrag http://mueslikind.de/?p=131 aufgeworfen, und wir wollten versuchen, dem gemeinsam auf den Grund zu gehen.

Unterstützt wurden die Anwesenden „Piratinnen“ Miriam (http://www.mueslikind.de), Sabrina, Michèle und Emmanuelle (ich) durch TJ (http://www.thetj.de)  und Nikki (http://blog.addict.de/), der eine ist keine Frau, die andere kein Pirat (stimmt nicht mehr), hat sich aber mit dem Thema Frauen und Piraten sehr intensiv-soziologisch auseinander gesetzt.
Die Statistik zeigt, daß Frauen im allgemeinen weniger Content im Netz produzieren als Männer: http://www.blogoscoop.net/statistics.html#BloggerGender
Ist das die Ursache dafür, daß Frauen sich bei den Piraten nicht so engagieren?
Oder sind die Themen, die die Piraten bewegen doch eher 'Männerthemen'? Diese Theorie, auch 'Nusskuchentheorie' genannt, wurde hier in die Welt geworfen:  http://antjeschrupp.com/2011/09/19/die-etablierten-parteien-die-piraten-und-die-frauen/#comment-12017
Ausgelöst wurde die Thematik im Zuge der Berichterstattung rund um die berliner Wahl. Nach der Artikelserie über die 14:1 Konstellation in der Berliner Fraktion (z.B. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,787586,00.html ) und vielen teils hitzigen Reaktionen, überwiegend Weiblicher Piraten, war es an der Zeit, dem Thema unaufgeregt und lösungsorientiert entgegen zu treten. 

Die Runde hat hier andere Argumente vorgebracht:
  • Engagierte bzw. sichtbare Piraten sind eher offensiv mit der Tendenz zum Lautsein und das ist nicht zwingend geschlechtsspezifsch. Das Lautsein an sich schreckt aber eventuell schon zurückhaltendere Personen ab. Männer haben hierbei eher die Möglichkeit, sich, wenn gewünscht, eher im Hintergrund zu bewegen. Frauen, fallen, durch ihren Exotenstatus, noch mehr auf und haben mehr Schwierigkeiten sich zu verstecken.
  • Die Sprache, die bei den Piraten genutzt wird, ist zum Teil sehr "jargonlastig" und das ist nicht für jeden verständlich. Wer nicht aus einem netznahen Umfeld kommt, versteht häufig erstmal nicht, wovon wir sprechen. Und wer die Sprache nicht versteht, verliert schnell die Lust. (Was hat das mit Frauen zu tun? nichts. eben. )
  • Die Tendenz zum Shitstorm wirkt nicht sehr einladend: man weiss vorher nie, was ihn auslösen wird, und einige (laute) Nutzer übertönen alles. Lob ist eher selten, man sieht nur die Unzufriedenen. (siehe auch: http://www.youtube.com/watch?v=Umbo4UMSxvE )
Als positiv sahen wir:
  • Nach unseren Erfahrungen ist gerade im IT-Umfeld Wissen und Können tendenziell wichtiger als Aussehen, Titel oder Geschlecht. Und 'Können' kann prinzipiell jeder Lernen. Schräge oder gar sexistische Anmachen sind da eher selten. Das macht es Frauen mit diesem Background leichter zur eigenen Meinung zu stehen, weil die Verhältnisse hier etwas anders sind. 
  • Unsere Themen sind nicht an die IT-Branche gebunden, und sprechen eigentlich jeden an.
  • Der Background vieler Mitglieder ist, entgegen der landläufigen Meinung gar nicht primär die IT-Branche (Studenten aller Couleur, soziale Berufe, Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten...)
  • Die meisten Frauen bei den Piraten fühlen sich wohl und arbeiten gerne mit. Wir kennen fast keine, die sich diskriminiert fühlt.
Fazit: wir haben kein Geschlechter-"Problem", sondern eher einen Kulturschock.
Um die neuen Ideen und Perspektiven nutzen zu können, die uns neue Mitglieder bringen könnten, auch wenn sie nicht unbedingt aus unserem üblichen Umfeld kommen, gibt es also mehrere Richtungen:
  • Ausdeutschen der Begrifflichkeiten aus unserer Kommunikation (eine Art 'Wörterbuch Nerd-Mensch') - wie zum Beispiel hier: http://mueslikind.de/?p=151
  • An der Streitkultur arbeiten. Solange wir uns intern zerfleischen, sind wir nicht sonderlich sexy: eine sachliche und respektvolle Diskussion würde es Interessierten leichter machen, sich ein eigenes Bild zu machen. Und wäre viel einladender für kompetente Leute.
  • Ein einheitliches Demokratie-Verständnis, auch dahingehend, daß es sich hierbei um eine Diktatur der vielen, und nicht der Lauten handelt.
Fazit:
Ein Kernproblem vieler Piraten bei der Gender-Diskussion ist, dass sie nicht gerne Geschlechter unterscheiden. Deshalb das Problem zu leugnen, ist natürlich fatal. Offensichtlich deutet die geringe Beteiligung von Frauen auf ein massives Problem hin. Aber es ist keineswegs gesagt, dass das Problem ausschließlich Frauen betrifft. Denn es gibt ja durchaus erfolgreiche Frauen bei den Piraten. Anders gesagt: Die in der Sozialisation vor allem von Frauen erworbenen Eigenschaften, die sie dazu führen, nicht in Scharen zu den Piraten zu strömen, sind ja nicht nur bei Frauen anzutreffen, sondern ganz sicher (wenn auch in geringerem Außmaß) auch bei Männern. Wir möchten also dieses Problem nicht primär als Männer-Frauen-Problem betrachten, sondern als Menschen-Problem. Uns also fragen, welche Menschen, die gerne Piraten wären, wir vielleicht unbewusst ausschließen. Zum Beispiel durch unseren Nerd-Habitus oder unsere Streitkultur.
von dans-la-vie-d-emmanuelle - veröffentlicht in: Piratiges
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