Blog von dans-la-vie-d-emmanuelle

Blog von dans-la-vie-d-emmanuelle

Mein Leben, (immer weniger) Piraten und Essen....


Allein gegen die Quote

Veröffentlicht von dans-la-vie-d-emmanuelle auf 27. März 2012, 18:53pm

Kategorien: #Persönliches

oder warum Quoten den Druck auf die vermeintlich geförderten erhöht, ohne die Bedingungen zu verbessern.

Ich bin unter allen Aspekten (Sozialisierung, Chromosomen, Gefühle usw. ) eine Frau.

Und ich finde das sehr schön.

Ich habe einen Schuhtick und lebe ihn hemmungslos aus. Auch glaube ich nicht, dass ich mich als Mann tarnen muss, um emanzipiert zu sein.

Ich habe auch bisher fast alles erreicht, was ich wollte, und wenn ich es nicht erreicht habe, dann lag es nicht daran, dass ich eine Frau bin, sondern daran, dass ich ganz banal gescheitert bin.

So viel also zu mir.

 

Das alleine erklärt natürlich nicht, warum ich nicht nur kein Freund sondern sogar ein dedizierter Feind von Quoten bin. Quoten erzeugen einen Erfolgsdruck bei der vermeintlich geförderten Bevölkerungsgruppe ohne gleichzeitig die Rahmenbedingungen zu verbessern.

 

Nehmen wir zum Beispiel die viel beschworene Frauenquote in Führungspositionen.

Durch die Einführung dieser Quote werden die Frauen unter Druck gesetzt, denn sie "können es ja schaffen" (unterschwellig: wenn sie es nur wollen, wer es also nicht schafft, ist faul/nicht ehrgeizig genug/schlecht...). Dabei werden die Rahmenbedingungen völlig außen vor gelassen. Denn durch die Quote verbessert sich nichts an diesen Rahmenbedingungen, die eigentlich dafür verantwortlich sind, dass Frauen nicht so leicht befördert werden.

Das liegt nämlich nicht daran, dass Männer unter sich in der Führungsetage bleiben wollen (oder nur in den seltensten Fällen) sondern daran, dass Frauen in vielen Fällen Mütter sind. Mütter arbeiten, wegen der desolaten Betreuungslage und dem sozialen Druck in ihrem Umfeld , öfter in Teilzeit, und Teilzeitkräften wird die Belastung einer Führungsstelle nur selten zugetraut.

 

Solange also eine Mutter, die arbeiten muss oder möchte noch immer von Ihrem Umfeld als Rabenmutter bezeichnet wird, solange es die Diskussionen gibt unter dem Tenor 'Wozu schaffe ich mir dann Kinder an' als wäre die Mutter als Heimchen am Herd noch immer das Mass aller Dinge, solange Ganztagsbereuungsangebote entweder unerschwinglich teuer oder unglaublich schlecht sind, solange der politische Wille spürbar ist, die Arbeitslosenstatistiken durch das heraushalten von Müttern zu frisiern, So lange wird sich an der Situation der Frauen in der Arbeitswelt nicht ändern.

Die die Karriere machen werden in den allermeisten Fällen Kinder oder Rücksichtslose Damen sein, die dann wieder ein sehr unangenehmes Bild der Frau in Führungspositionen abgeben.

 

Ohne ein Umdenken in unserem Umfeld bringt auch die schönste Quote nichts.

Kommentiere diesen Post

Janina 04/02/2012 20:13

Liebe Emmanuelle,
vielen Dank für das Herausstellen des Mütter/Teilzeit/Rabenmütter-Foo.

Über dieses Dilemma denke ich seit einer gefühlten Ewigkeit nach. Ich bin Mutter dreier Kinder, Akademikerin und arbeite in der Industrie - also nah dran an dem dargestellten Konflikt.
Für die Führungslaufbahn wird in meinem Umfeld voller Einsatz gefordert - und das heißt vor allen Dingen Zeit. Wer nicht bereit ist, viel Zeit zu investieren, Förderungsprojekte zu übernehmen, die
zusätzlich zum vorhandenen Job erledigt werden müssen - wer nicht jederzeit Termine am Abend wahrnehmen oder eine Woche auf Seminar oder Dienstreise gehen möchte oder kann, kommt nicht infrage.
Diese Anforderungen sind jedoch künstlich geschaffen, um die tauglichkeit der Mitarbeiter für eine Managementkarriere zu testen. Sie sind nicht betriebsnotwendig.

Väter- und Mütterfeindlicher geht es kaum.
Solange von Unternehmen nur Karriere auf Kosten der Familie gefordert wird, werden viele Mütter sich nicht dem eigenen schlechten Gewissen und dem zusätzlichen von den Kollegen_innen gemachtem
stellen.
Die Antwort auf die Karrierefrage werden sich viele Mütter und Väter beantworten mit: "Unter diesen Bedingungen ist es *das* nicht wert."

Von mir also eher Nicken statt Gegenwind ^^
Janina

p.s. Nach einem Kind war's o.k., nach zwei Kindern, naja, aber dass ich mit drei Kindern überhaupt wieder arbeiten gehen MÖCHTE ruft in meinem Umfeld unabhängig von Alter und Bildungsniveau zum
Teil verstörte Reaktionen hervor (es handelt sich um eine Teilzeitstellte!) -> der Pfad zur gesellschaftlichen Akzeptanz ist noch lang und steinig

Blogarchive

Soziale Netzwerke

Neueste Posts