Blog von dans-la-vie-d-emmanuelle

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Mein Leben, (immer weniger) Piraten und Essen....


Das mit den Feindbildern

Veröffentlicht von Emmanuelle auf 29. Juli 2014, 18:53pm

Kategorien: #Persönliches

 Wer, wie ich, Twitter viel und in (fast) allen Lebensbereichen nutzt, dem fällt irgendwann auf, dass die stärkste Kraft dort, wie in allen sozialen Netzwerken, die Empörung ist. Vermeintliches Fehlverhalten einzelner wird sofort bestraft und der 'Übeltäter' an einen virtuellen Pranger gestellt. Das Fehlverhalten wird kategorisiert (Masku, Feminist, Nazi, Rassist, Reaktionär, Eso, Fleischesser, Veganer... halt irgendwas 'böses') und der Mensch dahinter ist ab dann abgestempelt. 

Er ist ein #Feindbild geworden.
Und mit ihm alle, die noch mit ihm reden, ihm folgen, oder vielleicht sogar einzelne Tweets Faven. Da kommen dann Drohungen wie 'Wer mir nochmal den @*** in die TL RT, wird entfolgt'. Das ist Absurd! Jeder von uns taugt demnach als Feindbild wegen irgendetwas. Meine liebste Freundin ernährt sich Vegan, und ich esse leidenschaftlich gerne rohes Fleisch, wir mögen uns trotzdem.
Auf Twitter wäre ich wahrscheinlich ein 'unzivilisierter Höhlenmensch' und sie ein 'Volkserzieher'. Aber da wir uns kennen ist es OK, dass wir grundverschiedene Lebenseinstellungen haben und wir urteilen nicht übereinander. Wäre sie eine Unbekannte wäre es wahrscheinlich ganz anders: da sind Feindbilder scheinbar wichtig. Es sind 'die anderen' die, die dem 'uns' durch Abgrenzung die Identität verleihen. Wir sind die Guten. Die sind böse. Oder Dumm. Oder ungebildet.... Auf jeden Fall ganz anders als 'Wir', die wir die Weisheit mit Löffeln gefressen haben und deren Lebensrealität die einzig wahre ist. Wir wissen genau was gut ist und was böse.
Und jeder, der anders denkt muss ein völliger Idiot sein. Oder noch schlimmer: Böse. Wer mir widerspricht hat nicht etwa eine andere Meinung, nein, es ist ein Troll ( http://de.wikipedia.org/wiki/Troll_%28Netzkultur%29 ).
Er ist da um mich persönlich (und mit mir die "Guten", die so denken wie ich) zu ärgern und macht das aus Fleiß. Um dieses Gefüge sichtbar zu machen habe ich auf Twitter am 25.07.2014, mit mäßigem Erfolg den Hashtag #Feindbild lanciert und einige freiwillige zum 'Feindbild der Stunde' erklärt.
Zu all diesen Menschen ist mir und meiner TL etwas eingefallen, was sie zum Feindbild machen könnte, obwohl ich die meisten nur flüchtig oder gar nicht kenne. Vielleicht sogar deswegen. Es ist viel einfacher Menschen Eigenschaften zu unterstellen, die man nicht kennt, ausschließlich anhand ihrer Tweets, als Menschen, die man kennt, und deren Facettenreichtum man schätzt und als normal ansieht. Unbekannte werden da viel leichter in Schubladen gesteckt. Je weiter entfernt, desto undifferenzierter die Urteile. Von Bayern aus gesehen sind 'Die Berliner' alle Öko-Gender-Alternativ und 'Die Nordlichter' (also alle anderen) auch irgendwie komisch, aber anders. Wie genau weiss keiner, weil die sagen ja nix.
Wahrscheinlich ist es in der anderen Richtung nicht besser: wer in Bayern wohnt ist sicher erz katholisch, konservativ, ein Bauer und trinkt Bier zum Frühstück, denn anders ist der Blödsinn den wir hier alle erzählen nicht zu erklären. Ob es hier schon Internet gibt ist auch noch nicht abschließend geklärt. Aber der Klaus, den kenne ich, und der ist ganz anders. Ehrlich, der ist voll nett! Ist das nicht lächerlich? Ich weiss, dass dazu schon unendlich oft geschrieben wurde, und dass auch dieser Text wahrscheinlich nichts ändern wird, außer, dass vielleicht der eine oder andere schmunzeln muss, und dann ist schon ein Schritt in die richtige Richtung getan. Denn ich würde mir einfach mehr gemeinsames Lachen wünschen: es macht das gemeinsame Leben einfacher.

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