Blog von dans-la-vie-d-emmanuelle

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Mein Leben, (immer weniger) Piraten und Essen....


Ein Treffen netzpolitisch aktiver Feministinnen am 6.10.2011 im Augustinerbräu in München.

Veröffentlicht von dans-la-vie-d-emmanuelle auf 16. November 2011, 11:02am

Kategorien: #Piratiges

Ich weiss, daß es jetzt schon viel zu lange her ist, aber ich habe vorher kein Medium gefunden, um es zu veröffendlichen.
Dieser Protokoll-Post wurde von den Teilnehmerinnen gemeinsam erarbeitet.

Thema war der Versuch einer Ursachenerforschung in Bezug auf die geringe Sichtbarkeit der Frauen bei den Piraten. Die Fragen, denen wir uns gestellt haben, hatte Miriam bereits in ihrem Blogeintrag http://mueslikind.de/?p=131 aufgeworfen, und wir wollten versuchen, dem gemeinsam auf den Grund zu gehen.

Unterstützt wurden die Anwesenden „Piratinnen“ Miriam (http://www.mueslikind.de), Sabrina, Michèle und Emmanuelle (ich) durch TJ (http://www.thetj.de)  und Nikki (http://blog.addict.de/), der eine ist keine Frau, die andere kein Pirat (stimmt nicht mehr), hat sich aber mit dem Thema Frauen und Piraten sehr intensiv-soziologisch auseinander gesetzt.
Die Statistik zeigt, daß Frauen im allgemeinen weniger Content im Netz produzieren als Männer: http://www.blogoscoop.net/statistics.html#BloggerGender
Ist das die Ursache dafür, daß Frauen sich bei den Piraten nicht so engagieren?
Oder sind die Themen, die die Piraten bewegen doch eher 'Männerthemen'? Diese Theorie, auch 'Nusskuchentheorie' genannt, wurde hier in die Welt geworfen:  http://antjeschrupp.com/2011/09/19/die-etablierten-parteien-die-piraten-und-die-frauen/#comment-12017
Ausgelöst wurde die Thematik im Zuge der Berichterstattung rund um die berliner Wahl. Nach der Artikelserie über die 14:1 Konstellation in der Berliner Fraktion (z.B. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,787586,00.html ) und vielen teils hitzigen Reaktionen, überwiegend Weiblicher Piraten, war es an der Zeit, dem Thema unaufgeregt und lösungsorientiert entgegen zu treten. 

Die Runde hat hier andere Argumente vorgebracht:
  • Engagierte bzw. sichtbare Piraten sind eher offensiv mit der Tendenz zum Lautsein und das ist nicht zwingend geschlechtsspezifsch. Das Lautsein an sich schreckt aber eventuell schon zurückhaltendere Personen ab. Männer haben hierbei eher die Möglichkeit, sich, wenn gewünscht, eher im Hintergrund zu bewegen. Frauen, fallen, durch ihren Exotenstatus, noch mehr auf und haben mehr Schwierigkeiten sich zu verstecken.
  • Die Sprache, die bei den Piraten genutzt wird, ist zum Teil sehr "jargonlastig" und das ist nicht für jeden verständlich. Wer nicht aus einem netznahen Umfeld kommt, versteht häufig erstmal nicht, wovon wir sprechen. Und wer die Sprache nicht versteht, verliert schnell die Lust. (Was hat das mit Frauen zu tun? nichts. eben. )
  • Die Tendenz zum Shitstorm wirkt nicht sehr einladend: man weiss vorher nie, was ihn auslösen wird, und einige (laute) Nutzer übertönen alles. Lob ist eher selten, man sieht nur die Unzufriedenen. (siehe auch: http://www.youtube.com/watch?v=Umbo4UMSxvE )
Als positiv sahen wir:
  • Nach unseren Erfahrungen ist gerade im IT-Umfeld Wissen und Können tendenziell wichtiger als Aussehen, Titel oder Geschlecht. Und 'Können' kann prinzipiell jeder Lernen. Schräge oder gar sexistische Anmachen sind da eher selten. Das macht es Frauen mit diesem Background leichter zur eigenen Meinung zu stehen, weil die Verhältnisse hier etwas anders sind. 
  • Unsere Themen sind nicht an die IT-Branche gebunden, und sprechen eigentlich jeden an.
  • Der Background vieler Mitglieder ist, entgegen der landläufigen Meinung gar nicht primär die IT-Branche (Studenten aller Couleur, soziale Berufe, Wissenschaftler aus verschiedenen Fachgebieten...)
  • Die meisten Frauen bei den Piraten fühlen sich wohl und arbeiten gerne mit. Wir kennen fast keine, die sich diskriminiert fühlt.
Fazit: wir haben kein Geschlechter-"Problem", sondern eher einen Kulturschock.
Um die neuen Ideen und Perspektiven nutzen zu können, die uns neue Mitglieder bringen könnten, auch wenn sie nicht unbedingt aus unserem üblichen Umfeld kommen, gibt es also mehrere Richtungen:
  • Ausdeutschen der Begrifflichkeiten aus unserer Kommunikation (eine Art 'Wörterbuch Nerd-Mensch') - wie zum Beispiel hier: http://mueslikind.de/?p=151
  • An der Streitkultur arbeiten. Solange wir uns intern zerfleischen, sind wir nicht sonderlich sexy: eine sachliche und respektvolle Diskussion würde es Interessierten leichter machen, sich ein eigenes Bild zu machen. Und wäre viel einladender für kompetente Leute.
  • Ein einheitliches Demokratie-Verständnis, auch dahingehend, daß es sich hierbei um eine Diktatur der vielen, und nicht der Lauten handelt.
Fazit:
Ein Kernproblem vieler Piraten bei der Gender-Diskussion ist, dass sie nicht gerne Geschlechter unterscheiden. Deshalb das Problem zu leugnen, ist natürlich fatal. Offensichtlich deutet die geringe Beteiligung von Frauen auf ein massives Problem hin. Aber es ist keineswegs gesagt, dass das Problem ausschließlich Frauen betrifft. Denn es gibt ja durchaus erfolgreiche Frauen bei den Piraten. Anders gesagt: Die in der Sozialisation vor allem von Frauen erworbenen Eigenschaften, die sie dazu führen, nicht in Scharen zu den Piraten zu strömen, sind ja nicht nur bei Frauen anzutreffen, sondern ganz sicher (wenn auch in geringerem Außmaß) auch bei Männern. Wir möchten also dieses Problem nicht primär als Männer-Frauen-Problem betrachten, sondern als Menschen-Problem. Uns also fragen, welche Menschen, die gerne Piraten wären, wir vielleicht unbewusst ausschließen. Zum Beispiel durch unseren Nerd-Habitus oder unsere Streitkultur.

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