Blog von dans-la-vie-d-emmanuelle

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Mein Leben, (immer weniger) Piraten und Essen....


Gutes, schlechtes und ein bitterer Nachgeschmack: Einsichten von der PiratinnenKon

Veröffentlicht von dans-la-vie-d-emmanuelle auf 19. April 2013, 18:46pm

Kategorien: #Piratiges

Es ist wieder so weit, ich schreibe mal wieder zu Frauenthemen. 
Eigentlich wollte ich einen Kochblog machen, und was ist? nichts. Nicht ein Rezept habe ich bisher geposted....

Aber zum Thema:

Den neutralen Tatsachenbericht zur ersten PiratinnenKon am 6. und 7. April 2013 in Berlin haben @dyfustic und ich bereits geliefert und er wurde in der Flaschenpost, dem Nachrichtenmagazin der Piratenpartei, veröffentlicht, und selbst dafür gab es teils unsachliche Kritiken.
 

Meine persönliche Meinung zu dem Ganzen ist erheblich weniger neutral, ich wollte nur etwas Abstand gewinnen, bevor ich es veröffentliche.

Als die Einladung zu der Konferenz veröffentlicht wurde, hatte ich auf vieles Lust, nur sicher nicht darauf, mir schon wieder ein Wochenende mit Frauenkram um die Ohren zu schlagen.
An dem Wochenende waren eine Demo wegen der Gemareform und ein Kreisparteitag in München auf dem Programm, auf letzterem hatte ich mir sogar überlegt zu kandidieren, und eigentlich hätte ich das erheblich interessanter gefunden.

Aber als Frau bei den Piraten kommt man aus der Nummer ja nicht raus.
Völlig egal, was passiert, als Frau wird man sowieso nur als solche gesehen und kategorisiert. Fragen, ob man kandidieren möchte beginnen immer mit dem Satz 'Es kandidieren gerade so wenig Frauen...' usw.
Dann kann ich mir auch so eine Konferenz antun. Und vielleicht sogar den eigenen Standpunkt zumindest erklären.

 

Also habe ich ein Zugticket gekauft, ein Hotelzimmer gebucht und mich auf das folgende vorbereitet.
Ich habe mir angelesen was ein Fishbowl ist, und wie ein Worldkaffee funktioniert. Ich war optimistisch, dass es vielleicht doch neutraler werden würde, als die Kritiker unkten.

Und dann, 3 Tage vor der Anreise, wurden Verhaltensregeln veröffentlicht die ich als Zumutung empfunden habe. 
Als ich das
auf Twitter geäußert habe, wurde ich von Organisatorinnen massiv angefahren, was ich denn gegen Benimmregeln hätte.
Für mich haben diese Regeln eher nach einer Möglichkeit ausgesehen, im Zweifel Menschen aus der Versammlung entfernen zu können, wenn ihre Meinung nicht genehm wäre. Ich gehe zwar nicht davon aus, dass ich persönlich betroffen gewesen wäre, aber das ist kein Grund, das gut zu finden.

Zum Ablauf.
Das stecken des ideologischen Rahmens mit einem Zitat von Rosa Luxemburg und der Markierung von BGE als Kernthema der Piraten fand ich mehr als seltsam, die darauf folgende Arbeit im Woldkaffee dafür um so produktiver. 

Ab da hat es jedoch stark abgenommen.

Die Präsentationen der Ergebnisse waren bei einigen Gastgebern stark von eigener Meinung geprägt (darauf angesprochen wurde mir von einem Host, so wurden die Themenmoderatoren, ganz ungegendert genannt, geantwortet, sie hätte sich ja schließlich schon mehr mit dem Thema befasst und könnte die Laienmeinung nicht in den Vordergrund stellen. Dafür dass das ganze eine Laienveranstaltung war, eine eher seltsame Ansicht) allerdings von den meisten wirklich neutral und gut vorgetragen. (Auf Twitter hat es z.T. sogar dafür Ärger gegeben... aber das ist wohl normal, man kann es nicht allen recht machen.)
Bis dahin war ich noch optimistisch. Danach wurde es allerdings
bizare. In einer Session namens Storytelling sollte nach einem Spaziergang mehr oder weniger wildfremden die eigene Erfahrung zu den besprochenen Themen näher gebracht werden. 
In einem Raum mit 20 anderen 3er Gruppen und dem entsprechenden Lärmpegel ein gewagtes Unterfangen.
Bis dahin war allerdings noch der eher gemäßigte, gleichberechtigte Aspekt vorhanden, und die Redebeiträge sehr verteilt.

Das sollte sich in der Gruppentherapiesitzung namens Fischbowl ändern.
An sich ein interessantes Konzept einer Art Gesprächsrunde mit wechselnden Teilnehmern, bei der in eher intimer Atmosphäre über die eigenen Empfindungen/Meinungen gesprochen werden sollte. 
Bei ca. 80 Menschen im Saal und laufendem Stream war das mit der Intimität allerdings sehr relativ, und diejenigen, die sich hingesetzt haben um ihr innerstes nach außen zu wenden waren die üblichen verdächtigen, die mit dem Seelenstriptease generell keine Probleme haben, oder von Hause aus der Meinung sind, dass ihr Seelenleben die Welt interessiert.
Die Eher zurückhaltenden, denen eigentlich in dieser Kon eine besondere Bühne gegeben werden sollte,
zumindest hatte ich das so versanden, waren hier Zuschauer.

Es war die Stunde der Selbstdarsteller.

Ich habe zu diesem Zeitpunkt die Kon verlassen und den darauf folgenden Eklat nicht selbst erlebt, kann und werde mich dazu also nicht äußern.

Nur dass es dazu führte, dass der 2 Tag umdisponiert wurde, und es ab dann ziemlich ungeordnet verlief.
Eigentlich sollten hier Gruppenarbeiten stattfinden, aber das wurde abgesagt und statt dessen wieder das Modell des Woldkaffees gewählt, weil es sich am Vortag bewährt hatte und wahrscheinlich auch besser skalierte als die vorgesehenen Workshops.

Hier sollten konkrete Ergebnisse erarbeitet werden.
Diese konkreten Ergebnisse waren im Endeffekt ziemlich deckungsgleich mit denen der Flauschkon und müssen daher auch nicht weiter ausgeführt werden.

Zum Teil lag es sicher auch daran, dass hier Menschen zum Teil über Themen gesprochen haben, die nicht ihr Spezialgebiet sind, und dass die erarbeiteten Lösungen nicht immer dann am realistischsten sind, wenn die sich am besten anhören.

Zusammenfassen könnten man es unter 'Es wäre doch schön, wenn alle anständig mit einander umgehen würden, und zu ihren Fehlern stehen können, ohne gleich geköpft zu werden'.

 

Ja, das ist vereinfacht, aber erheblich mehr war nicht dahinter.

An sich war die Veranstaltung nicht sonderlich produktiv, aber auch die ganze Aufregung ganz sicher nicht wert. Es wurden keine Kastrationsworkshops durchgeführt, und die anwesenden Männer wurden auch nicht schlechter behandelt, als die Frauen.

Stark aufgewertet wurde das ganze durch das hervorragende Essen, und das erlesene Bier.

Da ich mir selbst äußerst ungern eingestehe, dass ich etwas umsonst getan habe, möchte ich eines der Ergebisse der Kon gleich umsetzen und zeigen, dass ich lernfähig bin.
Ich möchte beweisen, dass ich im
Stande bin, einen Fehler zuzugeben: es war ein Fehler zu dieser Veranstaltung zu fahren. Der von mir erhoffte Mehrwert war nicht gegeben, und die kommunizierten Ergebnisse in der Pressekonferenz entsprachen nicht wirklich den erarbeiteten. Es war am Ende nur noch eine Bühne der Eitelkeiten und die meisten der Teilnehmer nur Statisten.


Schade. Es war vielversprechend.

 

Positiv könnte man sagen, dass es ein Experiment für neue Methoden war, und als solches war es gelungen.

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pmvstrm 04/23/2013 15:47

Das ja ein Ding das eine FRAU sich traut Mißstände bei so etwas heiklen wie der PiratinnenKon zu benennen. Du hast echten Mut Ich mag Menschen mit Mut. Ich kann nur sagen als ich das Pressevideo
gesehen habe, war alles das worüber Du schreibst ganz exakt auch mein Enidruck.

Klaus 04/21/2013 20:31

Danke für den Bericht. Den in der Flaschenpost fand ich doch sehr ... distanziert und unpersönlich. Oder so.

Kurhof 04/21/2013 17:43

Hallo liebe Geistesfreundin,
Danke für den bisher bei weitem besten - und vor allem für alle anderen - sprechenden Kommentar.
hey, bin glücklich Dich getroffen1.0 zu haben & stolz auf gutes Miteinander :-)

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