Blog von dans-la-vie-d-emmanuelle

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Mein Leben, (immer weniger) Piraten und Essen....


Scheiden tut weh...

Veröffentlicht von Emmanuelle auf 26. Dezember 2011, 15:41pm

Kategorien: #Persönliches

was einem an Herz gewachsen ist zu verlassen, um neues zu entdecken ist ein schwerer Schritt.

Mitunter muss er radikal sein.

 

Ich habe mich also dazu entschieden, mich von einer guten alten Freundin zu trennen.

 

Wir haben uns 1990 kennengelernt. Meine Deutschlehrerin (Ich hatte Deutsch als Fremdsprache) hat uns zusammengebracht, weil sie meinte, dass ich einiges von ihr lernen könnte. Das war absolut richtig, meine Welt war damals doch sehr konservativ, was sicher auch an der Garnisonsschule lag, die ich bis zu Abitur besucht habe.

 

Wir waren damals im gleichen Alter, sie war viel reifer als ich. Sie hat mir beigebracht, dass es nicht notwendig ist, nett und hübsch zu sein, um weiter zu kommen, und dass Erwartungen zu erfüllen eine Form von selbst Aufgabe ist.

Sie hat mir beigebracht, dass man als Frau durchaus gut in Mathe sein darf, und dass man dadurch nicht zum Mann wird. Sie hat mir gezeigt, dass ich selber über mich und mein Leben entscheiden kann, und nicht auf Teufel komm raus irgendwem gefallen muss. Sie hat mir dir Sicherheit gegeben, dass ich als Mensch in dieser Gesellschaft ganz einfach ich selbst sein kann. Und nicht so tun muss, als sei ich niedlich.

 

Wir sind immer im Kontakt geblieben, auch dann, als ich in Frankreich studiert habe, und es wirklich ein schwerer Schnitt in meinem Budget war, diesen Kontakt aufrecht zu erhalten. Das war es mir wert. Es war nicht immer leicht, zu ihr zu stehen, schließlich galt sie schon immer als extrem, jedoch waren ihre Impulse mir immer wichtig.

 

Und jetzt?

Nun, die schleichende Entfremdung fing 2009 an. Die Piraten fingen an, eine Rolle in der Politischen Landschaft zu spielen, und sie hat sie als Kinderpornopartei diffamiert. Ich war noch kein Pirat, aber diese Parallele hat mich damals schon sehr gestört, da ich sie nicht gesehen habe.

 

Dann wurde es immer schlimmer: sie hat angefangen mir zu erklären, wie ich den Rechner meines Mannes nach Spuren von Pornonutzung durchsuchen kann.  Da wurde mir schlagartig klar, dass wir uns sehr auseinander-entwickelt hatten. Die Privatsphäre, die ich vom Staat verlange, respektiere ich selbstverständlich auch in den eigenen vier Wänden. Ich werde sicher nicht damit anfangen, Computer nach irgendwelchen Bildchen zu durchsuchen weil 'Männer, die Pornos schauen sich auch Bilder auf den Computer laden'...

 

Im Sommer 2010 fing sie an, über mich zu schreiben. Also über Frauen im Netz im allgemeinen, und beschrieb Situationen, die ich nicht kenne, die mir völlig Fremd waren. Ich habe mich sehr gewundert. In welcher Welt lebt sie?

Dem Anschein nach nicht mehr in meiner.

 

Ende 2011 hat sie dann erklärt, dass es mich nicht gibt.

Und das nach 20 Jahren.

 

Damit war die Trennung eigentlich schon beschlossen. Ich weiß nur noch nicht, ob sie mich verlassen hat, oder ich sie. 

 

Ich glaube noch immer, dass es keine Kluft zwischen Männern und Frauen gibt, sondern nur ein Streben nach Macht, welches bei manchen Menschen ausgeprägter ist, als bei anderen.

 

Ich bin der Meinung, dass der klassische Feminismus viel zu kurz greift, weil er übersieht, dass es neben Männern und Frauen eine Vielzahl von Schattierungen gibt, die weder ganz das eine noch ganz das andere sind.

 

Ich danke unseren Müttern, dass sie diese Schlacht geschlagen haben, und ich gestehe Ihnen zu, dass sie gewonnen haben. Jetzt müssen wir es leben, und unsere Töchter nicht in einer Welt aus Hello Kitty und Barbie einsperren, und damit alles wieder aufs Spiel setzen.

 

Das ist ein schwerer Schnitt in meinem Leben. Ich fühle mich heimatlos und bin unglaublich wütend auf die, die mich gezwungen hat, sie zu verlassen.

 

Es ist das Ende einer großen Liebe. Ich sehe kein Versöhnungspotential mehr.

 

Zwischen der EMMA und mir ist es vorbei, und es gibt kein Zurück.

 

Sie ist zwischen den Bergen von Geschenkpapier in der Altpapiertonne verschwunden und ich möchte nichts mehr mit ihr zu tun haben.  Eine radikalere Lösung habe ich nicht gefunden, aber ich habe sie gesucht!

 

Ich möchte nicht mehr, dass mir erklärt wird, dass das Internet der Quell allen Übels ist, und dass die Schwulenbewegung, wegen der zur Schau gestellten Sexualität, Frauenfeindlich ist. Und ich möchte nicht, dass Feminismus als Kampf der Frauen gegen den Rest der Welt gelebt wird, denn nur wo alle Menschen gleich behandelt werden, können auch Frauen glücklich sein. Nur da, wo das Geschlecht keine Rolle spielt, ist die Freiheit des Individuums zu erreichen.

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