Blog von dans-la-vie-d-emmanuelle

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Mein Leben, (immer weniger) Piraten und Essen....


Schönheit ist relativ?

Veröffentlicht von dans-la-vie-d-emmanuelle auf 11. März 2013, 20:31pm

Kategorien: #Piratiges

Die Piratenpartei hat ein Frauenproblem.
Das erklären uns die Medien und die Feministen so intensiv, dass es doch stimmen muss...

Zumindest vielleicht.

Ich habe es etwas anders erlebt, und glaube, dass wir primär für die Medien ein Frauenproblem haben, was die Vorhandensein von Damen angeht, die sagen wir mal "überdurchschnittlich attraktiv" sind.

Ich möchte das an meiner persönlichen Erfahrung festmachen:
Vor langer Zeit war ich mal Vorsitzende des Bezirkverbandes Oberbayern der Piratenpartei.

Dieser Bezirk hatte damals schon mehr als 2000 Mitglieder und war eine der grössten Gliederungen, die wir so im Angebot hatten und haben.
Ich bin in dieses Amt gewählt worden, ohne dass Quoten oder Frauendiskussionen im Allgemeinen eine Rolle gespielt hätten, und habe meinen Job gemacht.

Während dieser Zeit war das mediale Interesse an den Piraten sehr hoch, und ich habe ziemlich viele Gespräche mit Medienvertretern geführt. Sehr wenige davon wurden tatsächlich auch gesendet oder irgendwie verwendet und wenn, dann immer ohne Bild.
Ich gehe auf die 40 zu, sehe einfach normal aus, und habe nicht einmal bunte Haare. Eine Modellfigur im zeitgenössischen Sinne habe ich auch nicht vorzuweisen.
Im medialen Sinne bin ich also uninteressant? Vermutlich.

Nach der Wahl im Saarland war das Interesse an der damaligen Landesvorsitzenden und Landtagskandidatin besonders gross und sie war nach dem Wahlkampf entsprechend ausgelaugt und urlaubsreif, so dass bei einer Medienanfrage die Frage im Raum stand, ob ich sie spontan in einer Talkshow vertreten könne. Ich habe kurz gezwiefelt zugesagt und daraufhin ein Vorgespräch in Skpye geführt.

Dieses Vorgespräch ist der eigentliche Kern dieses Beitrages. Am Ende des Gespräches, welches inhaltlich völlig OK war, wurde mir erklärt, dass ich einfach nicht telegen genug sei.
Ich bin eine Frau. Da reicht es nicht, etwas Relevantes oder inhaltlich Belastbares zu sagen zu haben. Es ist auch notwendig, überdurchschnittlich gut auszusehen. Idealerweise auch noch jung und knackig. Oder wie Nicole Britz (Landesvorstandsmitglied in Bayern) letzthin anführte: "Inhalte sind irrelevant, Kompetenz ist zwecklos".

(Meine Radiointerviews wurden übrigens alle gesendet...)

Ich glaube, der geplante Gast ist dann doch selbst hingegangen und sie hat das sicher super gemacht. In Ermangelung eines Fernsehempfangsgerätes konnte ich mir das leider nicht ansehen.
Ich habe mir dann allerdings mal angesehen, welche Damen denn allgemein als sendungswürdig angesehen werden und stelle fest, dass die Damen und Herren bei den Sendeanstalten durchaus strenge Anforderungen an Äusserlichkeiten haben. Dieser Aspekt kommt bei Männern aus irgendeinem Grund nicht zum tragen.

Als ich mit einer jungen Dame unterhielt, die der parteiinternen Frauenbewegungen angehört und als solche vorgibt, die Frauen (also eigentlich auch mich) bei den Piraten zu vertreten, passierte folgendes: Ich bekam Tipps, welche Piratinnen potentiell telegenen seien. Das war die einzige Reaktion darauf, was nicht wirklich hilfreich war, und noch nicht einmal den Kern des Problems hinterfragte. Und letztendlich dazu führt, dass ich diesem Netzwerk den Vertretungsanspruch, was mich betrifft, abspreche.

Wir sind Opfer des Lookismus und dem Anschein nach gibt es keine Lobby für Frauen, die nicht der medialen Norm entsprechen. Für Männer scheint diese Norm nicht relevant zu sein, oder sie entsprechen nicht meinem Geschmack, woran das liegt, kann ich nicht sagen, nur beobachten. Und Frauen fallen aus dieser Norm im Normalfall, also wenn sie nicht gerade Bundeskanzlerin werden, irgendwann aus Altersgründen raus.

Bei der Aufstellung der Landtagskandidaten in München wurden einige Kandidaten gefragt, , wie sie zur Frauenquote stehen und ein Kandidat meinte, Frauenquoten seien keine Lösung. Man müsse Quoten für die richtigen Frauen einführen. Er hat im persönlichen Gespräch zwar auch sofort zugegeben, dass er im Stress Unsinn gesagt hat, aber eigentlich hat er den Kern des Problems genau erfasst. Es geht nicht darum, ob wir 'genug' Frauen haben, es geht darum, dass wir nicht die Frauen haben, die medial verwertbar sind.

Wir haben einige hübsche junge Frauen mit Ahnung. Wir haben auch eine halbe Armada an weniger jungen Frauen mit Themen, die aber leider niemand sehen will, weil sie nicht den dekorativen Anforderungen entsprechen. Auch das ist Sexismus.

Der Landesvorstand in Bayern ist dafür ein wunderbares Beispiel: hier sind drei tolle Frauen vertreten, die wahrscheinlich nie ein Mensch im Fernsehen zu sehen bekommen wird.

Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich diesen Post schreiben soll, weil ich nicht mein Aussehen zur Diskussion stellen will, ob im positiven oder negativen Sinne. Auf der anderen Seite, wenn ich nicht darüber schreibe und kein Bewusstsein dafür wecke, wird sich auch nichts daran ändern, wie politisch aktive Frauen in den Medien wahrgenommen oder eben gezielt ignoriert werden.

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Perspektivwechsel 03/12/2013 22:39

(bitte ganz lesen)

Ich empfinde mich als Mensch und nicht als Mann, und sehe mich daher eigentlich auch als Feminist, für gleiche Chancen und Lohn und alles. Aber ich bin kein Hardcorefeminist.

Tja es ist traurig... würden wir ein paar Models casten die toll aussehen und kein Problem damit hätten alles über uns zu lernen (also auch intelligent sind, ähnlich Charlies Angels) und sie
als
Pressesprecher in Talkshows und zu Interviews vor die Kamera schicken, dann wette ich, würden wir fast jeden Tag positiv in den Medien sein. Der Weisband-Effekt? Die Leute würden uns wieder
lieben
und wir könnten vielleicht sogar drittstärkste Bundestagspartei werden. Wir könnten Dinge bewegen und all die bisher investierte Arbeit würde bald Früchte tragen. Wahrscheinlich würden uns so
auch
viele Frauen wählen.
Anstatt wie jetzt, wo die Medien gegen uns sind und wir nur noch durch Fails als Lachnummer dienen. Um jetzt noch mit unserer Kompetenz in den Bundestag kommen zu können brauchen wir ein
Wunder.
Ich glaube nicht daran. Was können wir Piraten schon erreichen, wenn wir bei der BTW 3% machen? Wie viele der aktiven Piraten, die uns bisher vorwärts gebracht haben, haben dann noch Lust weiter
zu
machen?

Das ist wie mit dem "Jeder darf bei uns Piraten mitmachen". Das ist großartig in der Theorie, aber in der Praxis scheitert es eben auch daran, dass Menschen (noch) nicht so sind wie wir uns das
idealerweise vorstellen. In der Praxis bedeutet die große Barrierefreiheit, dass kompromisslose Nervensägen uns behindern und die hart arbeitenden Piraten noch zusätzlich belastet und
demotiviert
werden. Burnout.
Das krasse Gegenteil, der Frankfurter Verein, ist auch Müll. Die Lösung liegt dazwischen.

Die Ursprünge der Piraten liegen bei den Hackern... Hack The Fucking System. Das ist der Grund, weshalb es die Piratenpartei überhaupt gibt. Die Idee war, in das Politiksystem einzudringen und
von
innen heraus zu verändern, indem man den anderen Parteien Angst macht und ihnen Macht wegnimmt. Und zwischen "Models casten" (um wie Hacker den Fehler im Mediensystem maximal zum eigenen
Vorteil
auszunutzen um dann darüber in das Politiksystem eindringen zu können) und dem momentanen Ist-Zustand der Piraten-Aussendarstellung, liegen auch noch viele Möglichkeiten.

Wir haben so viele wichtige Themen. Es geht um unsere Freiheit, darum die Demokratie zu retten, um mehr soziale Gerechtigkeit... es müssen Prioritäten gesetzt und Opfer gebracht werden.
Letztendlich würde der Erfolg ja auch den Frauen und Feministen bei den Piraten zu Gute kommen.

Es sind noch einige Wochen Zeit, in denen die mickrigen Umfragewerte vielleicht zur Opferbereitschaft ermutigen.

Anita 03/12/2013 18:01

Da gibt es ein tolles Buch: "Die Opfer der Venus" von Rita Freedman.
Klar kann man sich beschweren, dass es ungerecht ist, dass andere Frauen schon ab Geburt schöner sind als man es selber ist und positiver wahrgenommen werden.
Seltsamerweise beschwert sich keine, wenn sie intelligenter ist als andere Frauen.
Denn immerhin: Das Aussehen lässt sich verändern, der IQ lässt sich nicht hochoperieren.
Also lass dich nicht von den Medienfuzzis ärgern.

Marie @SchaengelPirat 03/12/2013 17:43

@Susanne es tut mir leid, aber deine Kommentare und Sprüche zu allen Lebenslagen kann ich wirklich nicht mehr ernstnehmen.

@Emmanuelle danke fürs Aufschreiben und Aufmerksam machen!

Grüße
Marie

rop 03/12/2013 12:38

Zum nachlesen Westernhagen Dicke


http://www.westernhagen.de/alben/206-a0407

Dorin 03/12/2013 11:47

Vor ein paar Jahren recherchierte ich für eine Geschichte über Mutter-Tochter-Beziehungen. Und bin dabei auf eine Bundestagsabgeordnete gestoßen, die wunderbar in die Strecke gepaßt hätte. Die
Redaktion wollte sie aber nicht im Heft haben - weil sie schielt...

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