Blog von dans-la-vie-d-emmanuelle

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Mein Leben, (immer weniger) Piraten und Essen....


We didn't start the Fire...

Veröffentlicht von dans-la-vie-d-emmanuelle auf 23. Januar 2013, 21:25pm

Kategorien: #Piratiges

Piraten ‚wirken’ nicht. Und das hat einen ganz einfachen Grund´: wir haben dieses Feuer nicht gelegt. Wir sind nicht einmal der Brennstoff. Wir sind der Rauch...

Viele von uns halten die Piraten für eine Bewegung. Ich sehe das anders, wir sind das Symptom einer gesellschaftliche Veränderung.
Die sogenannte ‚digitale Revolution’ ist dabei, unsere Gesellschaft von Grund auf zu revolutionieren. Es war noch nie so einfach, an Wissen oder Informationen zu gelangen, wie heute. Es gibt den Unterschied zwischen denen, die etwas wissen, und denen, die etwas wissen wollen, nicht mehr in dem Ausmaß wie früher.
Selbst zum zerlegen von Schweinen gibt es Anleitungen im Internet.

Kaum eine Information die nicht transparent und leicht zugänglich wäre. Jeder kann sich auf einem Gebiet spezialisieren, oder hat zumindest das Gefühl, es zu können.
Der Austausch von Informationen und die Transparenz, die daraus resultiert, sind längst zur Normalität im Alltag geworden. Und es gibt immer weniger Bereiche, bei denen Menschen bereit sind darauf zu verzichten.

Die Forderung der Piraten nach der Transparenz von Ausschreibungen oder Vergabe von öffentlichen Verträgen erscheinen vielen deswegen so absurd, weil sie nicht glauben können, dass es in einer Welt, in der jeder die Courtage seines Versicherungsmaklers in Echtzeit im Internet berechnen kann, tatsächlich noch so viel hinter verschlossenen Türen gemacht wird.
Das gleiche gilt für den freien Zugang zu Forschung und Lehre. In einer Welt, in der die Geschichte von Wikipedia umgeschrieben wird, und in der jeder zu jedem Zeitpunkt das Gefühl hat, alles rauszufinden, klingt diese Forderung absurd, wie revolutionär sie eigentlich noch immer ist, ist den meisten nicht bewusst.
Piraten fordern hier Dinge, die in der Gesellschaft, gefühlt oder real, bereits angekommen sind. Sie sind die politische Ausprägung einer gesellschaftlichen Veränderung.

Hier fällt eine Parallele zu den Grünen auf. Die Grünen haben die Ökologiebewegung nicht gegründet, sie haben eine existierende Bewegung a ufgenommen und Politisch vertreten. Heute ist ‚Bio’ in der Gesellschaft angekommen, selbst beim Diskounter kann man ökologisch korrekt einkaufen, und die wenigsten, die ‚Grün’ essen, denken dabei an die dazugehörige Partei, weil es mainstream ist.

Diese Entwicklung erwarte ich in der digitalen Welt in ähnlicher Weise.

Wenn Menschen sich wie selbstverständlich Proxis in Kasachstan zulegen, um Youtube nutzen zu können und bei ihren Apps immer genauer schauen, welche Rechte sich die App herausnimmt, tun sie das, weil es zur Normalität geworden ist, und nicht, weil sie sich mit den Piraten verbunden fühlen.
Die Gesellschaft in der wir leben hat durch das, was gerne als die ‚digitale Revolution’ bezeichnet wird, eine völlig neue Dimension erworben:


die Kommunikation.


Der Austausch über gesellschaftliche Grenzen hinweg, über Konventionen, über den eigenen Mikrokosmos.
Die Generationen vor uns mussten sehr viel Glück haben, um Kontakt zu Personen zu bekommen, die nicht den gleichen sozialen Background hatten, wie sie selbst. Vor einigen Jahren war es noch völlig normal, sich ausschließlich mit Menschen zu beschäftigen, die aus dem gleichen Umfeld stammen, wie man selbst. Ähnliches Alter, vergleichbare Lebenssituation, verwandte Interessen. Wenig (auffällige) Ausreißer, über die man sich wunderte oder aufregte.
Heute hat meine Mutter Facebookfreunde in Yaoundé.

Es ist alltäglich.


Die Piraten sind der Katalysator dieser gesamtgesellschaftlichen Bewegung.

Ich finde es daher übrehaupt nicht schlimm, wenn mal wieder die Umfragewerte/Wahlergebnisse Achterbahn fahren, oder wenn ein BuVo die ganze Partei in Misskredit bringt.

Die Idee der Piraten ist viel mehr als die Partei. Wir sind Politiker aus Notwehr, und wenn unsere Ideen enlich angekommen sind, werden wir nicht mehr gebraucht. Ich freue mich auf die viele Freizeit, die ich dann haben werde, befürchte aber, dass es bis dahin noch ein langer Weg ist.


Und auf den freue ich mich auch, denn es macht Spaß mit Menschen zu arbeiten, die ganz anders denken als ich, und doch in die gleiche Richtung schauen.

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